Von Clemens Hartung

Ein brasilianischer Brauereikonzern macht durch ein innovatives Pricing-Konzept auf die bedrohliche Abholzung des brasilianischen Regenwaldes aufmerksam. Wie kann das funktionieren?

Roll Pastuch Oekologisches Pricing

Die brasilianische Brauerei „Ambev“ hat für die Preisgestaltung ihres Bieres ein innovatives Konzept eingeführt: Im Gegensatz zu bewährten Pricing-Ansätzen orientiert sich der Preis nicht an der Zahlungsbereitschaft des Kunden. Passend zum Namen der Biersorte „Colorado Amazonas“ wird der Bierpreis dieser Marke stattdessen auf Basis der Rodung des Amazonas-Regenwaldes festgelegt. Das bedeutet, der Preis steigt, wenn Waldfläche abgeholzt wird – umgekehrt sinkt der Preis, sollte sich durch Umweltschutzmaßnahmen eine positive Entwicklung ergeben.

Dieser völlig neue Ansatz der Preisgestaltung – weg vom bekannten Value-based Pricing und hin zu einer Art ökologischem Pricing – ist ein Konzept, das das allgemein steigende Umweltbewusstsein adressieren soll. Es steht bei dieser Pricing-Methode also nicht der maximale Umsatz oder der höchste Gewinn im Fokus. Bei dieser Variante geht es vielmehr darum, die Aufmerksamkeit der potenziellen Käufer auf das Umweltproblem zu richten und Geld für den guten Zweck zu sammeln.

Ökologisches Pricing als völlig neuer Pricing-Ansatz?

Gestartet ist die Aktion mit einem Dosenpreis von 5,49 Reaís – das wären umgerechnet etwa 0,85 Euro. Es darf sich glücklich schätzen, wer das Bier noch zu diesem vergleichsweise günstigen Preis kaufen konnte. Denn die prekäre Umweltlage des Regenwaldes spiegelt sich inzwischen deutlich in der Preisentwicklung wider: So kostet das Bier inzwischen schon 9,52 Reaís (etwa 1,46 Euro).

Die Preislogik dahinter bezieht sich auf die Waldfläche, die in den vergangenen vier Wochen durchschnittlich gerodet wurde. Diese wird mit dem Wert aus den gleichen vier Wochen des Vorjahres verglichen, um einen Preisindex abzuleiten. Jede Woche wird der Preis auf diese Weise angepasst. Waldrodung ist hierbei also die Dimension, unter der sich alle Kunden etwas vorstellen können, wodurch die Preislogik nachvollziehbar wird.

„Tag des Amazonas“ erinnert an Bedeutung des Amazonas

Die Biermarke samt ihrem Pricing-Konzept wurde von „Ambev“ im Rahmen des „Tag des Amazonas“ am 5. September vorgestellt. In Brasilien dient der Tag dazu, an die Bedeutung des Amazonas-Regenwaldes zu erinnern. Laut „Ambev“ kommen die Erlöse der Biermarke den Einwohnern sowie Kleinlandwirten des Nationalparks „Amazonia“ zugute.

Wir finden: Ein spannendes neues Pricing-Konzept, das herkömmliche Pricing-Ziele völlig außer Acht lässt – und das ist auch gut so. Hierbei geht es um Aufmerksamkeit sowie den Aufruf von Spenden und nicht um Ertragsorientierung. Es bleibt also zu hoffen, dass die Bier-Aktion ihren Teil dazu beiträgt, das Umweltproblem stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.

 

Quellen:

Amazonas Portal (2020): Tag Amazoniens: Brauerei knüpft Bierpreis an Rodungsrate.

Cervejaria Colorado (2020): Colorado Amazonica.

TAZ (2020): Mehr Rodung bedeutet teureres Bier.

 

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2020-10-21
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