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Private Banking bei Regionalbanken: Warum Skalierbarkeit über den Erfolg entscheidet

Private Banking ist für viele Sparkassen und Genossenschaftsbanken seit Jahren ein etabliertes Geschäftsfeld. Die Kundensegmente sind definiert, spezialisierte Berater eingesetzt und Vermögensverwaltungsangebote vorhanden. Gleichwohl bleibt in zahlreichen Häusern der Eindruck, dass die wirtschaftliche Bedeutung dieses Bereichs hinter seinem tatsächlichen Potenzial zurückbleibt. Der Grund dafür liegt weniger im Marktumfeld als in der strukturellen Ausgestaltung des Geschäftsmodells.

Ein Markt mit strukturellem Rückenwind

Die Vermögensverteilung in Deutschland zeigt deutlich, dass das für Regionalbanken relevante Potenzial vor allem im Segment zwischen 250.000 Euro und 5 Mio. Euro liquider Assets liegt (siehe Abbildung 1). Genau dort verbindet sich ein substanzielles Vermögensvolumen pro Kunde mit einer ausreichend großen Zahl an Haushalten, um Skaleneffekte zu ermöglichen.

Hinzu kommen die erwarteten Erbschaftsvolumina von jährlich rund 400 Mrd. Euro. Auch wenn ein erheblicher Anteil auf Immobilien- und Unternehmensvermögen entfällt, entstehen regelmäßig Umschichtungen, Liquiditätszuflüsse und Neustrukturierungsbedarfe, die für das Private Banking unmittelbar relevant sind.

Für Regionalbanken ergibt sich daraus ein kontinuierlicher Strom an Beratungsanlässen, insbesondere im Segment oberhalb von 250.000 Euro. Gleichzeitig verfügen Sparkassen und Genossenschaftsbanken bereits heute über eine breite Vermögensbasis in Form von Einlagen, Depots und verbundnah verwalteten Assets. Die Ausgangsposition ist damit deutlich stärker, als es die Ertragslage vieler Häuser vermuten lässt.

Warum das bestehende Modell an Grenzen stößt

Trotz dieser günstigen Rahmenbedingungen dominiert in vielen Instituten weiterhin das klassische Beratungsdepot. Echte Vermögensverwaltungsmandate sind häufig nur in begrenztem Umfang etabliert. Abbildung 2 zeigt die Unterschiede in Ertragskraft, Stabilität und Skalierbarkeit zwischen Execution only, Beratungsdepot und Vermögensverwaltung.

Beratungsgetriebene Modelle sind stark von Einzelentscheidungen, Transaktionsaktivität und individueller Abstimmung geprägt. Dies führt zu einer begrenzten Planbarkeit der Erträge und zu einem vergleichsweise hohen operativen Aufwand. Ein erheblicher Teil der Beraterzeit entfällt auf Vorbereitung, Nachbereitung und administrative Tätigkeiten, während strategische Vermögensstrukturierung und langfristige Kundenentwicklung oftmals zu kurz kommen. Das wirtschaftliche Potenzial bleibt daher nicht deshalb ungenutzt, weil zu wenig Vermögen vorhanden wäre, sondern weil die Struktur des Geschäfts die Monetarisierung dieses Vermögens begrenzt.

Mandatsquote als struktureller Multiplikator

Der zentrale Hebel liegt in der Mandatsquote. Eine echte Vermögensverwaltung basiert auf klarer Delegation von Anlageentscheidungen, standardisierten Prozessen und einer langfristigen Anlagestrategie. Dadurch entsteht eine andere Ertragsmechanik. Die All-in-Fee schafft kontinuierliche Erlösströme, die weniger von Transaktionsvolumina oder Marktphasen abhängen und deutlich besser planbar sind. Entscheidend ist jedoch nicht nur die höhere Marge pro 100.000 Euro Vermögen, sondern die strukturelle Wirkung auf das gesamte Geschäftsmodell.

Mit steigender Mandatsquote erhöht sich das betreute Volumen pro Berater, da standardisierte Investmentprozesse und zentrale Steuerung den individuellen Betreuungsaufwand reduzieren. Gleichzeitig verbessert sich die Zeitverwendung zugunsten hochwertiger Kundengespräche und strategischer Fragestellungen. Abbildung 3 fasst diese Zusammenhänge zusammen und zeigt, wie Vermögensbasis, Mandatsquote und Pricing ineinandergreifen. Dabei wird deutlich, dass der überwiegende Teil des Ertragspotenzials nicht aus zusätzlichem Vermögenswachstum entsteht, sondern aus einer veränderten Struktur des bestehenden Geschäfts.

Pricing als Verstärker

Gebührenanpassungen können im Private Banking erhebliche Ergebniseffekte erzeugen. Ihre Wirkung entfaltet sich jedoch erst dann in vollem Umfang, wenn eine ausreichende Mandatsbasis vorhanden ist. Solange der Großteil der Vermögen in beratungsgetriebenen Strukturen liegt, bleibt der Einfluss von Pricing begrenzt. Mit wachsender Mandatsquote steigt hingegen die Hebelwirkung.

Kleine Veränderungen im Gebührenniveau wirken dann auf größere Volumina und gewinnen strategische Bedeutung. Gleichzeitig erhöht sich die Notwendigkeit einer klaren Wertkommunikation. Preisgespräche lassen sich nur nachhaltig führen, wenn das Leistungsversprechen transparent strukturiert ist und sich nachvollziehbar differenzieren lässt.

Skalierbarkeit als Kernfrage

Im Kern geht es um die Frage der Skalierbarkeit. Reines Vermögenswachstum erfordert in der Regel zusätzliche Vertriebsanstrengungen und personelle Ressourcen. Eine höhere Mandatsquote dagegen wirkt unmittelbar auf die Ertragskraft der bestehenden Assets und verbessert zugleich die Produktivität der Organisation. Private Banking ist für Regionalbanken daher weniger ein Wachstums- als ein Strukturthema.

Wer die Mandatsquote konsequent als Steuerungsgröße etabliert, das Organisationsmodell bewusst wählt und Pricing systematisch mit Wertkommunikation verknüpft, schafft die Grundlage für ein Geschäftsmodell, das wirtschaftlich tragfähig und organisatorisch belastbar ist. Skalierbarkeit entsteht in diesem Verständnis nicht durch mehr Aktivität, sondern durch eine kluge Ausgestaltung der bestehenden Strukturen. Genau darin liegt für Regionalbanken die zentrale Chance.

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Dr. Johann Thieme
Autor

Dr. Johann Thieme

Senior Director